Der lange Weg zum Erfolg

Der Werdegang des Deutschen Bowling Verbandes/DBV

Einleitung

Der Deutsche Bowling Verband/DBV ist heute die Breitensportorganisation im bundesdeutschen Bowling. Auf dem Weg zu diesem nicht mehr weg zu diskutierenden Erfolg musste der Verband sehr viele Hindernisse überwinden, um seine heutige Position zu erreichen. Seine Entwicklungsgeschichte liest sich oftmals wie ein spannender Roman. Grund genug die Geschichte des DBV, die auch zum Teil die Geschichte des Bowling in Deutschland ist, hier zu präsentieren.

Bowling in Deutschland in den 60er bis 80er Jahren

Um die Umstände zu verstehen, die zur Gründung des Deutschen Bowling Verbandes führten, muss man die Situation im Bowlingsport in den Jahren 60 bis 80er verstehen, also lange vor der eigentlichen Taufe der heutigen Organisation DBV.

In der Bundesrepublik – damals noch ohne die neuen Bundesländer - wurde Bowling in weitaus weniger Anlagen gespielt als heute. Das Sagen hatte vordergründig zwar die „Sektion Bowling“, aber der eigentliche Machthaber im wahrsten Sinne des Wortes, war der Deutsche Keglerbund e.V. mit seinem allgewaltigen Generalsekretär Wackermann. In den Ländern herrschten die sehr eng mit den Bahnen Asphalt, Bohle oder Schere verbundenen Landesoberen, denen – und vielen zum Leidwesen – nun mal auch die Disziplin Bowling beigeordnet war.

Der DKB hatte zu jenen Zeiten als alleiniger Vertreter des „Kegelsports“ beim Deutschen Sportbund eine ansehnliche Mitgliederzahl von weit über einhunderttausend. Er war es auch, der die Richtlinien für Bowling vorschrieb, wobei den Vertretern des Tenpin-Lagers ab und zu so quasi als Beruhigungspille kleinere Zugeständnisse gemacht wurde, die jedoch das Gesamtgefüge DKB nicht zu sehr oder überhaupt nicht berührten.

Natürlich wurde im Kreise der Bowlingspieler landauf, landab immer wieder – wenn auch meist hinter vorgehaltener Hand – über Ungereimtheiten des Bowling unter dem Dach des Großverbandes gesprochen. War es aus Amtstreue, war es Kenntnislosigkeit oder war es einfach die Einstellung „ich bin Bowler, was gehen mich die anderen an“. Die Schar derjenigen, die wirkliche Änderungen wollten, war denkbar gering. Letzten Endes hatten viele der amtierenden Bowlingfunktionäre genügend finanzielle Zuweisungen von ihren Landesoberen bekommen, um Bowling spielenden Mitgliedern etwas anzubieten. So konnten beispielsweise Landessportwarte über die Zuweisungen für ihre verschiedenen Kadervorhaben, wie Schulungen, Ländervergleiche und Verbandsturniere keineswegs klagen, denn hier gab es ausreichend Gelder, um all das durchführen zu können. Der Landes-fachverband in Bayern (BSKV) mit seinem damaligen Vorsitzenden Herbert Stengl sowie sein erster Kassenwart, waren gegenüber dem damaligen Bowlinglandessportwart Klaus N. Rist und dessen Lehrwart Werner Gessner immer großzügig, wenn es um die Gelder für Bowling ging.

Aus diesem Grund mag es heute für viele Bowlingfreunde nicht ganz verständlich sein, warum man im Lager der Zehnkegelfraktion nicht so zufrieden war. Man hatte doch bundesweit rund 16.000 Mitglieder (wie gesagt ohne neue Bundesländer) und erhielt vom Übervater mehr aus- als einbezahlt! Aber viele wurmte es trotzdem, denn schon Mitte der sechziger Jahre wurden in einer Ausschusssitzung des DKB Wünsche nach Verselbständigung des Bowlinglagers zwar laut, aber schnellstens abgelehnt. Ebenso erfolglos wie 1984, als man einen eigenen Verbandsnamen innerhalb der Bundes forderte. In der Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 13. Mai schrieb damals Sportjournalist Hans-Joachim Leyenberg unter anderem:

…die Traditionalisten mit der kleinen runden Kugel haben eben das Sagen, mögen die Bowler - global gesehen - noch so tolle Hechte sein.

Der Ursprung des DBV

Da waren es denn gerade – oder wieder einmal? – die Bayern, die hier mehr oder weniger in selbstmörderi-scher Art denn Urknall verursachten und so die Keimzelle der heutigen DBU und des DBV geschafft haben. Allen voran beim Angehen der Loslösung der Bowler vom DKB in Richtung Autonomie war der Münchner „Sektions“-Vorsitzende der MKV-Bowler, Ludwig Bleyler, genannt Wiggerl. Unwahrscheinlich beliebt unter all seinen Spielern – egal, ob aus Franken, der Oberpfalz, aus Schwaben oder Oberbayern – leitete er die Geschicke der damals rund dreitausend Bowler im Land.

Ihm zur Seite sein Schatzmeister, Bowlingenthusiast durch und durch, „Bob“ Weiskopf , sowie Landessportwart Klaus N. Rist. Quasi im „stillen Kämmerchen“ wurde diskutiert, wurden Pläne geschmiedet und Rat eingeholt. Zu diesen heimlichen Rebellen jener Tage gehörte auch der Leistungsreferent der Sektion Bowling für den Top-Sport, Franz Xaver Oswald aus der Noris und der mit vielen Funktionärsämtern behaftete Ingolstädter Gert Gröpler.
Die Hauptforderungen dieser Rebellen waren keineswegs „die Zerschlagung des organisierten Bowlingsports“, wie die Nürnberger Nachrichten später berichteten, sondern nach ihren Vorstellungen - so das „Geheim“protokoll jener Tage – sollte vom DKB ein schrittweises Umdenken zum tatsächlichen Fakt des Bowling vorgenommen werden, wobei intensiver von Seiten des Dachverbandes über die wirklichen Zwänge, denen Bowling unterlag, nachgedacht werden sollte. Und, so kam es denn bei Jahreshauptversammlung des bayerischen Sportkegler Verbandes im schönen Würzburg im März 1987 zum großen Eklat. Aber, zunächst sind noch sind zwei Geschehnisse erwähnenswert:
Zum einen eine Jahreshauptversammlung des Deutschen Keglerbundes in Baunatal, wo sich die Delegierten aller Bahnarten des Top-Vaters, also Asphalt (heute Classic), Bohle, Schere und natürlich auch Bowling trafen. Schon dort wurde nicht nur hinter vorgehaltener Hand über die aufmüpfigen Bowler aus Bayern diskutiert. Als dann auch noch der Ur-Franke aus der Noris, Franz Xaver Oswald, bei der Wahl zum DKB-Präsidenten antrat, sah man nicht nur in vielen Gesichtern ein mitleidiges Lächeln, sondern auch ein Erstaunen über ein derartiges Ansinnen. Der Chronist hat vermerkt, dass Oswald einige Stimmen verbuchen konnte, den Thron des neu gewählten DKB-Bosses jedoch nicht ins Wanken brachte. Gesegnet seien die, die zu damaliger Zeit an ein Wunder geglaubt haben.


Das zweite Ereignis vor Würzburg war die vorangegangene Hauptversammlung der Bowler im BSKV: 22 der 23 bayerischen Bowlingvereine beauftragten ihren Vorstand, unter der Führung von Ludwig „Wiggerl“ Bleyler, in Würzburg für eine weitgehende Verselbständigung ihrer Sportart im BSKV zu votieren. Es sei hier zur Ehrenrettung des Dachverbandes BSKV, dessen Vorstandschaft und dessen Hauptausschuss erwähnt, dass beide genannten Institutionen dem Vorhaben der Bowler „grünes Licht“ gaben. Im Rückblick nach all den Jahren und in der heutigen Kenntnis, was da noch alles anschließend auf die Bowler zugekommen ist, kann man sich eines faden Geschmacks allerdings nicht entziehen. Die Frage heute ist, ob die Zustimmung der BSKV-Verantwortlichen zum Vorhaben der Bowler nicht auf der Kenntnis beruhte, dass beim Treffen der Entscheidungspersonen doch alles anders kommen würde.
Als dann während der JHV des BSKV der Münchner Bleyler den Antrag auf weitestgehende Verselbständigung der blau-weißen Bowler formulierte und einbrachte, würde dies auch unter anderem eine Satzungsänderung mit sich bringen. Natürlich gab es versteinerte Gesichter unter den Delegierten aus dem Asphaltbereich und manche dachten wohl, der Himmel möge sich öffnen und Zeus’ Bannstrahl die Bleylers, Rists, Oswalds, Gröplers usw. treffen. In der entscheidenden Abstimmung jedoch, votierten so viele Asphalt-Bezirke gegen diesen Antrag, dass die Satzungsänderung nicht durchgegangen war. Der eigentliche Quell für den folgenden Eklat aber war die Aussage eines Asphalt-Funktionärs – Zitat: „wegen zehn Prozent Bowlingspieler braucht eine jahrzehntelange Satzung nicht geändert werden.“ Zitatende.

Diese Aussage war der Tropfen, der das Fass überlaufen ließ. Landessportwart Rist verdeutlichte – so die anwesende Kitzinger Zeitung – Zitat „in einer Grabesrede den Asphaltfunktionären klar und deutlich, dass sie nicht nur dem bayerischen, sondern auch dem bundesdeutschen Bowlingsport Schaden zugefügt hätten." Zitat Ende.

Gründung und Abspaltung vom Kegelsport

Der Landesboss für zu jener Zeit immerhin weit über 3.000 bayerische Bowler, Ludwig Bleyer, gab vor Ort bekannt, dass sämtliche Funktionäre in einer außerordentlichen Mitgliederversammlung ihre Ämter zur Verfügung stellen würden. Zitat – „es wird eine Verbandsgründung bayerischer Bowlingspieler außerhalb des BSKV geben“. Zitat Ende. Nach diesen Worten verließen die Bowling-Delegierten geschlossen die Versammlung. Und, der Münchner Ludwig Bleyer hatte mit seiner Ankündigung zur Gründung eines eigenen bayerischen Bowlingverbandes zu jener Zeit unwissentlich den Urknall zum DBV veranlasst.

Für die damalige Zeit – man bedenke die Allmachtsstellung des Deutschen Keglerbundes, dessen Mitgliedsstärke und die relative schwache Position der Bowler in der bundesdeutschen Sportszene – war dieser Vorgang ungeheuerlich. Jahrelange Frustration über zu große Abhängigkeit vom Allvater und dessen reinen Keglerlandesfachverbänden, hat den Vulkanausbruch erzeugt. Bundesweit wurde ähnlich gedacht, gehandelt aber wurde – getreu nach dem Motto von Waterloo „ich wollt’ es wäre Nacht und die Preußen kämen“ – nur von den Bayern.

Selten zuvor hatte die bayerische Tagespresse dem Bowling einen so breiten Raum an Berichterstattung eingeräumt. So schrieb der „Münchner Merkur“ in Nummer 52 von 1987 unter anderem: Zitat: „Nun proben sie den Aufstand. Sie haben es – laut Pressewart Ernst Luibl – satt, sich über alles Vorschriften machen zu lassen, nur weil die Kegler in der Überzahl sind“. Zitat Ende. Die „Bamberger Zeitung“ vom 26. März berichtete – Zitat – „mit einem Eklat endete die Jahresversammlung des rund 40.000 Mitglieder zählenden BSKV“ Zitat Ende. Die „Nürnberger Nachrichten“ vom 2. April hatte eine fette Überschrift „Bowler gehen eigene Wege“. Hier kam auch Franz Oswald zu Wort - Zitat - „Nachdem sogar unser Eil-Antrag, dass der Verband künftig Bowling nicht mehr betreiben werde, abgeschmettert wurde, war klar, dass unser Sport bei den Keglern keine organisatorische Heimat haben kann. Zitat Ende. Und weiterhin stellen die „Nürnberger Nachrichten“ fest, - Zitat - "dass die bereits 1984 gebildete Strukturkommission des DKB keine wirkungsvolle Arbeit geleistet habe und die seit zwei Jahrzehnten dauernde dilettantische Sportpolitik des DKB und seiner Landesverbände für Bowling nicht länger tragbar sind." Zitat Ende. In die Phalanx der Berichterstatter reihten sich auch die „Frankfurter Allgemeine“, die „Main-Post“, die „Süddeutsche Zeitung“ und andere mehr ein.

Würzburg 1987 ist Geschichte. Würzburg ist aber der Nachweis dafür, dass sich eine große Bowlinggemeinde einig sein kann im Streben nach Autonomie und Selbstbestimmung. Würzburg war nicht als Aufstand der Kleinen gegen die Großen gedacht. In Würzburg wollten einige etwas mehr an Selbständigkeit und Eigenverantwortung. Wie gesagt, nur etwas mehr.

Der Auszug der bayerischen Delegierten der Sportbowler aus der Jahreshauptversammlung war für die damalige Zeit natürlich mit der Explosion einer Bombe gleichzusetzen und traf die Allmächtigen im fernen Berlin und im nahen Nürnberg mit ziemlicher Wucht. Dieser Abgang der Bleylers, Weiskopfs, Rists, Gröplers, Oswalds und wie die Aufmüpfigen alle hießen, traf die Herren der Machtzentrale in Berlin und deren Sachwalter in Nürnberg um so mehr, als besagter Auszug ja von nahezu 100% der bayerischen Stimmberechtigten abgesegnet worden war. Also, es war kein Alleingang von denen, die nun mal in den weißblauen Grenzen das Sagen hatten.

Der Satz des bayerischen Bowlingführers Ludwig „Wiggerl“ Bleyler – Zitat – „….es wird eine Verbandsgründung der bayerischen Bowler außerhalb des BSKV geben“ (Anm. 2. Folge in der letzten Bowling Box), hatte in der Röcklstraße Nummer 4 in Nürnberg doch ziemlich viel Hektik ausgelöst. So gab der in Würzburg mit den Stim-men der Asphaltkegeldelegierten zum sechsten Mal gewählte BSKV-Präsident Herbert Stengl im Anschluss an die bowlerische Ungehörigkeit im „Münchner Merkur“, Ausgabe Nr. 52 von 1987 seine Meinung kund: Zitat: „….die Bowler wollen unter dem Dachverband (Anm. DKB/BSKV) die Vorteile der Gemeinnützigkeit genießen, auf die sie bei einem Austritt verzichten müssten. Und, sie müssten durch die dann eigene Finanzhoheit dem kleinen Mann das für ihren teuren Spitzensport notwendige Geld abknöpfen“. Und weiter Zitat: „….Mit dem Breitensport haben die Bowler nämlich gar nichts im Sinn.“ Weiterblickend, als es für alle zur damaligen Zeit vorhandenen Auguren möglich war, gab Stengl im „Münchner Merkur“ bekannt, „….dass durch den Austritt der Bowler aus dem Dachverband kaum eine Chance für diese bestehen würde, auf sportlicher Ebene 1988 erstmals bei den mit Bowling stattfindenden Olympischen Spielen für Schlagzeilen zu sorgen.“ Zitat Ende.

Nun mag jedermann, der dies liest, sich seine eigene Meinung über solche Aussagen bilden. Jedenfalls - so für den Chronisten nach all den vielen Jahren - zeugten diese belegten Kernsprüche nicht gerade von fundiertem Wissen zum Thema Bowling. Natürlich – woher auch immer dieses Wissen nun seine Quelle hatte, es gab 1988 keine Olympischen Spiele mit Bowling und auch der Breitensport Bowling sah keinerlei finanzielle Förderung durch die, die im Land der Weißwurst die Gelder verteilten. Auch die Bemerkungen des „Geldabknöpfens“ zeugte nicht gerade vom Respekt gegenüber der Bowlinggemeinde.

Da nun Bleyler in jenen Tagen auch intensive Gespräche mit Kollegen in Baden-Württemberg, Schleswig-Holstein, Niedersachsen und Hessen führte und die natürlich auch an höherer Stelle zumindest vernommen wurden, war diese Stellungnahme Stengls im Münchner Merkur aus Sicht des BSKV verständlich.

Auch das „Bowling Magazin“, damals noch unter der alleinigen Verantwortlichkeit von Egmont Kahnt, befasste sich mit dem Fall „Bayern“. In einem größeren Artikel wurde dort nicht nur der Vorgang an sich abgehandelt, sondern auch darauf hingewiesen, dass gegenüber einer neuen Bowlinggemeinde der Deutsche Keglerbund letzten Endes kapitulieren müsste. Zitat aus dem Artikel: „…Viel zu unbeweglich, unzeitgemäß und total veraltet kann der DKB hier nichts entgegensetzen.“ Zitat Ende.

Aus heutiger Sicht der Dinge ist dem Chronisten wohl bewusst, dass ein damaliger Alleingang der bundesdeutschen Bowler letzten Endes an der Struktur des Sportes in Deutschland gescheitert wäre. Die Konstruktion in den Ländern, in den Landessportbünden, im Deutschen Sportbund, hatten und haben solche Mechanismen, die eine Verselbständigung der Bowlinggemeinde zwar nicht hätten ausschließen können, aber deren internationales Auftreten und die innerdeutsche staatliche Bezuschussung doch verhindert hätten. Dies aber ist sowohl für den Dachverband, als auch für die ihm untergeordneten Ländervertretungen bis heute eine Trumpfkarte, die jederzeit bei Gegebenheit gespielt werden kann, obwohl – auch das muss der Chronist fairerweise niederschreiben, sich die Situation der im DKB nach wie vor angesiedelten Sportbowler verbessert hat. Vielleicht ist auch dieses auf die Querelen von 1987 zurückzuführen.

Nochmals ins Jahr 1987. In einem offenen Brief hatte Franz Xaver Oswald nach Würzburg sowohl die bayerischen Vereine, deren Führung, als auch den weißblauen Dachverband informiert. Zitat: „…mit der Entscheidung von Würzburg beende ich meine über 20jährige Tätigkeit für den Kegel- und Bowlingsport in Bayern in einem gemeinsamen Verband“. Zitat Ende“ Oswald unterstrich damit, dass er nicht weiter gewillt sei, in einer solchen Organisation, wie sie sich nun mal in Form des „Bayerischen Sportkegler Verbandes“ der 70er und 80er Jahre darstellte, als Ehrenamtlicher tätig zu sein.

Die Antwort aus der Nürnberger Zentrale ließ nicht lange auf sich warten. Sie entbehrte jedoch jeglichen Stils und verdeutlichte doch einmal mehr, wie wenig man sich um die Belange der Bowler und seiner dort tätigen Funktionäre scherte: Handschriftlich auf einem „Kurzbriefformular“ wurde Oswald vom neu und wieder gewählten BSKV-Präsidenten informiert, dass man ihn aus der Mitgliederkartei streichen würde.

Mit seiner handschriftlichen Mitteilung an Franz Oswald, ihn als Mitglied nun aus der Datei des Bayerischen Sport Kegler Verbandes zu streichen, hatte der Landesvorsitzende der weißblauen Nine- und Ten-Piner natürlich den Fuß in das berühmte Fettnäpfchen gesetzt. Zum einen konnte auch der Landesvater ein Mitglied – ob nun aufmüpfig oder nicht – keineswegs ausschließen. Dafür hatte der Gesetzgeber, sprich DKB, ganz andere Vorgehensweisen geschaffen. Zum anderen zeigte die vorgesehene und angekündigte Maßnahme doch, wie sehr die von den bayrischen Bowlern formulierten Forderungen am Fundament nicht nur des bayerischen Kegel-sports Spuren hinterlassen hatten.

Natürlich war der abtrünnige Oswald nicht der einzige, den nun der Bannstrahl erreichte. Gleichsam wie Göttervater Zeus seinen Donnerkeil zur Erde schickte, traf Stengls Rundumschlag natürlich auch den noch immer amtierenden Landessportwart Klaus N. Rist in der Fuggerstadt. Zitat: „…ich ersuche Dich dringend, Dein Amt nicht zu missbrauchen, das dann zum Schaden des BSKV und DKB führend könnten. Mit unserem Sportgruß Gut Holz, Herbert Stengl., Zitat Ende. Unterschrieben wurde dieses Schreiben vom 16. April 1987 von einer Angestellten der Geschäftsstelle.

Die Frage damals war nun, was verunsicherte den Vorstand des BSKV und vielleicht auch den des DKB im fernen Berlin so sehr, dass man zwei verdiente Funktionäre des bayerischen und bundesrepublikanischen Bowlingsports so massiv unter Druck setzte? Der eine, absolut erfolgreicher Leistungsreferent der bundesdeutschen Elitebowler, der andere – in kleinerem Rahmen – ebenfalls sehr erfolgreicher Landessportwart. Was hatten denn beide, vielleicht etwas theatralisch ausgedrückt, verbrochen? Sie, im Einklang mit Vorstand der bayerischen Bowler und mit nahezu 100% Zustimmung der weißblauen Bowler, wollten nur mehr Selbständigkeit für ihren Bereich. Eine Forderung, die auch in den vielen Jahren danach immer wieder gestellt wurde.

Erste Schritte - Der BBV

Wenn man aus heutiger Sicht und in Kenntnis aller dieser Vorkommnisse, angefangen in Würzburg bis hin zu den vielen Androhungen an bayerische Bowlingfunktionäre, die heutige Szene betrachtet, so hat die Bowlinggemeinde von 2009 inzwischen doch sehr viele Freiheiten durch Zugeständnisse bekommen. Ohne Zweifel hat deren Ursprung die Vorgehensweise der bayrischen Bowler von 1987. Natürlich hatte auch der Landessportwart gegen die Vorhaltungen aus Nürnberg Stellung bezogen und Stengl um Aufklärung gebeten, was er sich denn zu Schulden habe kommen lassen. Die Antwort kam sehr schnell. Genau nach neun Tagen traf am 30.April die Stellungnahme aus der Röcklstraße ein. Zitat: „……die Aufgabe eines gewählten Funktionsvertreters ist es, für den Verband und nicht gegen ihn zu arbeiten“. Weder Oswald, noch Rist, weder Bleyler noch Weiskopf, ja kein einziger anderer Funktionsträger, hatten gegen den Verband gearbeitet, sondern nur eine gemeinsame Meinung zu Zuständen im bayerischen Bowling im Besonderen und im bundesdeutschen im Allgemeinen kundgetan.

Mit diesem hin und her im Schriftverkehr will der Chronist nur verdeutlichen, was alles von Seiten der Oberen unternommen wurde um, überspitzt ausgedrückt, einen Flächenbrand zu verhindern. Mit ihren Aussagen und Forderungen wollten die so genannten „Abtrünnigen“ doch nur die sportlichen und administrativen Freiheiten etwas mehr ausdehnen.


Trotz diverser, noch folgender Schreiben aus Nürnberg, hatten sich die Revoluzzer aus Würzburg jetzt vorgenommen, Nägel mit Köpfen zu machen. Es ging hierbei um die Vorbereitung eines bundesweit agierenden Verbandes. Dessen Inhalte sollten nicht nur in administrativer Hinsicht, sondern auch auf dem Gebiet Sport und Spiel wirkliche Neuerungen mit sich bringen. Gedacht wurde auch hier in die Richtung, den mehr und mehr werdenden Bowlinganlagen in der Republik ein breiteres Spektrum für ihre „Kundschaft“ zu bieten, als dies durch die Sektion Bowling im Vorder- und den DKB im Hintergrund bis dato der Fall war. Um diese Neuerungen – auf administrativem und spielsportlichem Sektor auch brauchbar in die Tat umsetzen zu können, wurde zu Anfang 1988 der „Bayerische Bowling Verband /BBV“ gegründet, ein Verband „von Bowlern für Bowler“, wie der erste Slogan lautete. Zum 1. Vorsitzenden dieses Verbandes wurde kein geringerer, als der ranghöchste Rechtsanwalt der europäischen Hauptniederlassung des weltweit größten Herstellers und Markführers für Registrierkassen und Buchungsautomaten, der National Cash Register Corporation / NCR, Dr. Thomas Bachofer. Die Geschäftsführung lag in Händen seines Arbeitskollegen, Klaus N. Rist. Diesem Duo standen der Münchner Ludwig Bleyler, der Nürnberger Franz Xaver Oswald sowie der Ingolstädter Gert Gröpler mit ihrem fundierten Wissen zum Thema Bowling zur Seite.

Natürlich ging die Kunde von der Gründung dieses Verbandes wie ein Lauffeuer durch alle Lande. Im Handumdrehen verzeichnete der „bayerische“ Verband seine ersten tausend Mitglieder. Damals, wie auch heute beim DBV, für ganze sechs Mark für 12 Monate. Apropos 12 Monate. Dies war eine der ersten Neuerungen, die der Verband „auf den Markt“ brachte, den „Zwölf-Monats-Beitrag“ ab Datum der Ausweisausstellung. Zu diesem Zeitpunkt – und auch heute noch so – galt ein Beitrag grundsätzlich vom 1. Januar eines Jahres. Wer später im Laufe des Jahres eintrat, musste Anteiliges bezahlen, ein nicht unerheblicher Arbeits- und Verwaltungsaufwand. So ist der heute noch beim DBV übliche 12-Monatsbeitrag eine inzwischen zementierte Vorgehensweise: Egal, wann das Mitglied beitritt, es bezahlt für zwölf Monate und zwar ab dem Zeitpunkt, da der Ausweis an den Betreffenden zur Post geht. Eine gerechte und Kosten sparende Vorgehensweise.

Doch zurück zum „BBV“. Auf dem sportlichen Gebiet suchte man nach neuen Wegen. Denn, das Hauptaugen-merk der damaligen Bayernfunktionäre zielte in Richtung Breitensport. Bindung der großen Schar der so genannten Freizeit- oder „Open“-Bowler an eine Bowlinganlage. Denn schon in diesen späten 80er Jahren galt für den neuen Verband der Satz „Nur wenn es den Anlagen gut geht, geht es auch dem Sport gut“, ein Satz über den bis dato in der Ten-Pin-Fraktion kaum einer nachgedacht hatte. Ein Schwerpunkt hierzu lieferten die Ligensysteme der US-Bowler. Es konnte ja nicht so falsch sein, wenn Millionen Boys und Girls in den unzähligen Anlagen des nordamerikanischen Landes ihre Ligen mit einem speziellen Handicapsystem spielten. Nun ist bei Gott nicht alles „in Butter“, was aus den Staaten kommt. Aber, dieses Handicapsystem, das sich direkt aus der speziellen Leistung eines Spielers ableitete, schien den BBV-Initiatoren doch sehr viel versprechend. Jedenfalls, wesentlich geeigneter für den neu aufzubauenden „Breitensport Bowling“, wie die derzeit gebräuchlichen reinen fixen Zuschläge bei manchen Turnieren: Alle Damen erhalten x Pins pro Spiel oder alle über 60 erhalten Y. – Ein System ohne Rücksicht auf die Leistungen der Spieler.

Und, es war nun eine der primären Aufgaben des neuen Verbandes in kleineren Turnieren und in neu zu schaffenden Hausligen das „prozentuale Handicap-System“ auszutesten. Würden es die an strikte Regeln gebundenen Sportbowler akzeptieren ? Wie würden die Freizeitbowler darauf reagieren ? Welche Anlagen würden sich bereit erklären, hier quasi zu Testzwecken der „Erlkönig“ zu spielen?

Der nun 1988 ins Leben gerufene „Bayerische Bowling Verband“ mit seinem ersten Vorsitzenden, dem Augsburger Rechtsanwalt Dr. Thomas Bachofer, stand natürlich nicht nur auf dem Papier. Das amerikanische leistungsbezogene Handicap wurde in der City Bowling Augsburg in kleinen Abendturnieren „ausprobiert“ und kam ganz gut an. Zusätzlich wurde ein neues „Hausligasystem“ mit dieser Art von Handicap konzipiert und die damalige Geschäftsleitung des Verbandes stellte natürlich seine Konzepte und Ideen in schriftlicher und mündlicher Form vielen Bowlinganlagen und den Freunden des Zehnkegelspiels vor.

Dies aber brachte nun die damalige Sektion Bowling des DKB auf den Plan. Initiator war ohne Zweifel der bayerische Oberboss der Kegler und Bowler, der umgehend „Maßnahmen ergriffen hatte“. So wurden mit Rundschreiben vom 31. Oktober 1988 die Landesfachverbände des DKB von der Sektion Bowling informiert, „…dass Mitglieder des DKB, die an Wettbewerben, deren Ausrichter der Bayerische Bowling Verband ist, mit einer Sperre rechnen müssen“.

Der Bowling-Box-Leser kann sich wohl gut vorstellen, wie dieses Rundschreiben, das natürlich von den weisungsgebundenen Landesfachoberen umgehend an ihre Bowling spielenden Amtskollegen im Land und von diesen an deren Vereine weitergeleitet worden war, gewirkt hatte. Die große Mehrheit der Bowler nahm dies zur Kenntnis, ohne weiter darüber nachzudenken. Wer war denn das, dieser Bund aus Bayern ? Einige, und das waren aber nicht so wenige Ten-Piner, waren irgendwie angefressen und traten umgehend diesem bayerischen Bund bei. So hatte der BBV mit dem Slogan „von Bowlern für Bowler“ zu Beginn Dezember 1988 bereits etwas über 1.400 Mitglieder.

Doch, zurück zum Rundschreiben der Sektion Bowling. Bereits im Dezember 88 setzte sich der Vorsitzende des BBV direkt mit dem Allerheiligsten des bundesdeutschen Kegel- und Bowlingsports in Berlin in Verbindung. Dr. Bachofer stellte am 22.12. die Position des Bayerischen Bowling Verbandes klar und unmissverständlich vor und forderte die zuständigen Herren und oder Damen im DKB-Präsidium auf, „…Ihr Rundschreiben vom 31. 10. dahingehend zu modifizieren, als es nur Ihre eigenen Mitglieder, die nicht Mitglied des BBV sind, betreffen kann. Entsprechende Verlautbarungen sind in Ihrer Fachzeitschrift „Kegeln und Bowling“ bitte zu platzieren“

Richtig, die Antwort aus Berlin ließ nicht lange auf sich warten. Am 6. Januar 1989 trat nun erstmals in Sachen „Aufmüpfige Bowler“ der damals wirklich allgewaltige Generalsekretär des DKB, Peter Wackermann, auf den Plan. In seinem Antwortschreiben an Herrn Dr. Bachofer stellte er fest, „…jedes Mitglied eines den Landesverbänden im DKB angehörenden Vereins hat sich ausdrücklich der Jurisdiktion des DKB zu unterwerfen.“ Weiter hieß es dann „.. einen Bezug zur Ihrer Einrichtung Bayerischer Bowling Verband“ vermögen wir nicht herzustellen, da sie in unserer Verbandsstruktur keinen einzuordnenden Status besitzen.“ Zu guter Letzt dann noch eine entscheidende Passage mit „..so dürfen Sie bitte zur Kenntnis nehmen, dass sogar in unserer Organisation Mehrfachmitgliedschaften möglich sind, aber es wird nur ein einmaliges Spielrecht für einen einzigen Verein vergeben.“

Der damalige Geschäftsführer des BBV kann sich noch genau erinnern, wie die Reaktion des Juristen Bachofer auf den Inhalt der „Berliner Erklärung“ war: „Bachofer meinte mir gegenüber, dies sei so eine Aussage im Stil „du sollst keine anderen Götter außer mir neben dir haben“.

Bachofers Grundregel in solchen Angelegenheiten aber war, „..zunächst einmal die Dinge sich entwickeln lassen, die sich ergebenden Resultate beachten, um dann geeignete Maßnahmen ergreifen“, so ähnlich, wie Helmut Kohl’ s „Aussitzen von Problemen“. In den dem Rundschreiben der Sektion Bowling an die Länder folgenden Wochen führte der BBV weiterhin seine „Probeturniere“ durch und feilte an den Ideen. Erstaunlich aber war, dass die kleinen Turniere auch von vielen Spielern aus DKB-Clubs besucht wurden, die scheinbar keinerlei Berührungsängste mit dem weißblauen Verband hatten, ganz zu schweigen von den angedrohten Sperren.

Was zu jener Zeit keiner in der bundesdeutschen Bowlingszene wusste – ausgenommen die im Vorstand des BBV – dass alle Maßnahmen – ob sportlich oder administrativ – des Bayerischen Bowling Verbandes ausgerichtet waren auf eine in nicht all zu ferner Zukunft zu gründende bundesweite Bowlingorganisation. „Im stillen Kämmerlein“ unter maximal acht Augen und eben so vielen Ohren, wurde das vorbereitet, was heute „Deutscher Bowling Verband/DBV heißt. Jedoch, etliche Zeit zuvor kam dann Bachofers „großer Auftritt“ gegenüber der DKB-Zentrale Wilhelmsaue 23 in Berlin.

Bowling für jedermann - Der DBV

Die Strategen des neu gegründeten “Bayerischen Bowling Verbandes“ feilten nun sozusagen im stillen Kämmerlein am Konzept einer total neuen Organisation „für jedermann“. Man wollte zwar keine Konfrontation mit dem allein herrschenden Deutschen Keglerbund, aber die Richtung war mit dem Schlagwort „Selbständigkeit“ vorgegeben. Eine andere Leitlinie wäre auch unvertretbar gewesen, nach all den Anstrengungen und Vorkommnissen zurückliegender Jahre.

Es darf auch hier nochmals erinnert werden, dass der allgewaltige Generalsekretär des DKB, Peter Wackermann, in seinem Statement an den Vorsitzenden des BBV, Dr. Thomas Bachofer, eindeutig hervorgehoben hatte, wer im bundesdeutschen Bowling das Sagen hatte. Bachofer, selbst einer der namhaftesten Juristen innerhalb der bundesdeutschen Industrielandschaft, widmete sich seinerzeit für den BBV mit zwei weiteren Kollegen und viel Engagement der dem Verband übermittelten Rechtsauffassung des Keglerbundes. Kern dieser Aussage des DKB war, um es hier nochmals zu wiederholen, die Androhung von Sperren für all die Mitglieder des Deutschen Keglerbundes, die an Wettbewerben teilnehmen, deren Ausrichter der Bayerische Bowling Verband ist.

Und so ging also mit Datum vom 22. Dezember 1988 in der Wilhelmsaue 23 in Berlin beim DKB jenes Schreiben des Dr. Bachofer ein, dessen Inhalt die Freizügigkeit der bundesdeutschen Bowlingspieler nicht nur unterstrich, sondern auch das Dokument schlechthin darstellte, welches bis heute die oftmals ausgesprochenen Sperrandrohungen in die Schranken weist.

Grundsätzlich steht jedem Verein/Verband – soweit dies in seiner Satzung verankert ist – das Recht zu, gegen seine Mitglieder bei gegebenem Anlass Strafen zu verhängen. Die . getroffenen Entscheidungen dürfen dabei nicht offenbar unbillig, gesetzes- oder sittenwidrig sein.

Diese selbständige Strafgewalt eines Vereines/Verbandes ist Ausfluss des Grundrechtes der Vereinsfreiheit aus Artikel 9 I des Grundgesetzes, wonach jedem Verein /Verband auch das Recht auf freie Bestimmung seiner Organisation zusteht und bezweckt die Durchsetzung und Aufrechterhaltung der Vereins-/Verbands-Ordnung.

Das Grundrecht der Vereinsfreiheit richtet sich gegen den Staat, hat aber auch gewisse Drittwirkungen auf die Privatrechtsverhältnisse. Die Freiheit eines Vereins/Verbandes kann aber nur so weit reichen, als durch seine Aktivitäten nicht verfassungsrechtlich gewährleistete Positionen anderer Vereine/Verbände unzumutbar eingeschränkt werden.

Dem „Bayerischen Bowling Verband“ – wie auch jedem anderen – steht dieses Grundrecht der Vereinsfreiheit ebenfalls zur Seite. Der BBV – wie auch jeder andere – hat ergo ein Recht auf Bestand, freie Bestimmung seiner Organisation und Willensbildung sowie das Recht auf freie Vereinsbetätigung seiner Mitglieder.

Würde jedoch einem anderen Verein/Verband die Möglichkeit offen stehen, seinen Mitgliedern – die auch legitime Mitglieder unseres Verbandes sind – eine Sperre wegen Teilnahme an den Wettbewerben des BBV aufzuerlegen, dann würde hierdurch das verfassungsrechtlich geschützte Recht auf freie Vereins-/Verbandsbetätigung ausgehöhlt werden.

Die Maßnahme der angedrohten Sperre durch den Deutschen Keglerbund schränkt die Erreichung des Vereinszweckes des Bayerischen Bowling Verbandes ein und somit wird das Recht eines Mitgliedes des BBV und gleichzeitig des DKB auf freie Vereinsbetätigung auf das Gröbste unterlaufen.

Die Androhung des DKB kann nur Mitglieder des DKB betreffen, nicht aber die, die auch Mitglied des Bayerischen Bowling Verbandes sind.

Mit Antwortschreiben vom 6. Januar 1989 wurde von Wackermann zu dieser Rechtsfeststellung des BBV durch Dr. Bachofer dahingehend Stellung bezogen, als man a) den Inhalt des BBV-Schreibens zur Kenntnis genommen habe, aber b) keinen Anlass sehe, die Rechtsauffassung des Deutschen Keglerbundes zu ändern.

 Heute, rund zwanzig Jahre nach jenem Schreiben Bachofers, stellt der Chronist drei Sachlagen fest: Erstens gab es in den 80er und auch zu Anfang der 90er Jahre immer wieder Sperrandrohungen im sinngemäßen Wortlaut „…wenn du als Mitglied des DKB beim BBV bzw. dem späteren DBV und dessen Wettbewerben mitspielst, aber dann…..“ Zweitens, diese Androhungen, kamen alle nicht mehr aus Berlin, sondern von einzelnen Landesfachverbänden des Kegelsports. Und zum Dritten, mehr und mehr verschwanden diese Drohungen von der Bild-fläche des Bowling, weil auch mehr und mehr Funktionäre des nach Berlin ausgerichteten Bowlingsports die Unsinnigkeit eines solchen Säbelrasselns eingesehen hatten. Wenn heute, im neuen Jahrtausend, ab und zu noch eine solche Androhung auftaucht, wird sie meist als eine Anachronismus abgetan.

Eines aber steht fest: Die damaligen Funktionäre – allen voran Dr. Thomas Bachofer – haben mit dieser geführten Auseinandersetzung enorm viel für die verbesserte Freizügigkeit des Bowlingspielers von heute getan. Mit Bachofers Statement kehrte zwar eine gewisse Ruhe ein, aber Ende 1989 war dann die Zeit für den Bayerischen Bowling Verband gekommen, jetzt „Nägel mit Köpfen zu machen“.

Nun denn, nach Dr. Bachofers Klarstellung der Sachlage hinsichtlich angedrohter Sperren durch die oberen DKB-Bosse usw., ging man beim Bayerischen Bowling Verband im „stillen Kämmerlein“ ans Werk, die Gründung des „Deutschen Bowling Verbandes“ ins Leben zu rufen. Zunächst wurden die inhaltlichen Schwerpunkte festgelegt, denn ohne diese und den Zielvorstellungen konnte und durfte man nicht an die „Öffentlichkeit“.

Die Struktur des DBV

Natürlich musste alles gut durchdacht sein, keine Schnellschüsse. Zwar meinte Egmont Kahnt, langjähriger Präsident der damaligen „Sektion Bowling im DKB“ (Vorgänger der heutigen DBU), mehr oder weniger spaßig „man müsse nur einfach die vorliegende Verbands-Satzung des Bowlingsports umkehren, um einen modernen Bowlingverband zu bekommen“. Nein, die Denker des Noch-Bayerischen-Bowling-Verbandes legten nach vielem Hin und Her die Eckpunkte fest:

Da war die Einzelmitgliedschaft“. Im Gegensatz zum etablierten Bowlerstatus in Vereinen, wollte man die persönliche Ungebundenheit eines jeden Einzelnen wahren. Das heißt nicht, dass das Mitglied keinem Verein oder einer anderen Gruppierung angehören könnte. Aber, dies war keine Voraussetzung für den neuen Verband, sondern die freie Entscheidung der jeweiligen Person. Heute, zwanzig Jahre später, kann man vor dem damaligen Beschlusse – soweit er das Bowlingspielen anbelangte – nur den Hut ziehen. Jeder, der die Vereinsstrukturen im Bowlingbereich kennt, hat schnell erkannt, was damit gemeint ist. Natürlich haben Clubs, Vereine oder wie die Gruppierungen alle heißen ihre volle Berechtigung und auch einen absolute Daseinslegitimation. Jedoch, immer weniger jüngere Menschen möchten sich an solche Gruppen binden, wie wir alle heute mehr denn je Wissen und oftmals auch leidlich erfahren.

Unmittelbar mit dieser Einzelmitgliedschaft verbunden sollte auch die Beitragsstruktur“ sein. Auch diese spielte natürlich bei den bestehenden Strukturen eine außerordentlich große Rolle. Vielleicht in jenen Tagen 1989 noch nicht so groß, wie heutzutage bei einem weltweiten Finanzeinbruch. Ein Studium vorhandener Beitragsaufkommen in den Bowlingorganisationen zeigte besonders beim Konstrukt „Dach-Land-Verein-Club“ eine ganze Menge zusätzlicher Kosten zum eigentlichen Beitrag. Dies war eine Prämisse für die Gestaltung des Beitrages: Keinerlei Zusatzkosten! Und, dieser Gedanke gilt bis heute beim DBV. Aber, eine zweite Überlegung war die Laufzeit eines Beitrages. Man kam letzten Endes weg vom üblichen Jahresbeitrag, der meist auch keiner war, denn wer im August beitrat, zahlte oftmals nur noch die Gelder für den Rest des Jahres. So wurde der „12-Monats-Beitrag“ geboren: Eintritt im April, Beitrag für zwölf Monate und Gültigkeit bis zum nächsten April.

Punkt und Ende ohne großen administrativen Aufwand.

Ach so, die Höhe. Hier wurde heiß diskutiert und letzten Endes entschied man sich für den bisherigen Beitragssatz des bayerischen Verbandes, den einst Ludwig Bleyler ins Leben gerufen hatte: Eine Mark im Monat. Und eine einmalige Aufnahmegebühr. Jedem Leser wird auffallen, dass sich in zwanzig Jahren DBV hier nichts geändert hat: Aus einer Mark wurden fünfzig Cent. Und das ist heute noch so. Einmalig im Vergleich zu allen Sportverbänden. In zwanzig Jahren keine „müde Mark mehr“. Richtigerweise muss man feststellen, dass auch der Verband nicht die Ausgaben hat, wie beispielsweise der Leistungssport Bowling. Allerdings, auch der DBV musste und muss mit Euro und Cent rechnen, denn er hat zwar keine Weltmeisterschaften mit sechs Damen und fünfeinhalb Betreuern in den USA zu finanzieren, aber trotzdem erhebliche Aufwendungen für die Mitglieder- und Partnerschafts-Verpflichtungen.

Ein Eckpunkt die Verwaltungszentralität. Zersplitterung in X „Geschäftsstellen“ ? Absolut Nein, kleinere so genannte „Home-Offices“ dagegen ja. Für das Mitglied als auch für die heute rund 150 Partneranlagen des Verbandes galt und gilt eine zentrale Anlaufstelle. Diese Zentralität hat sich außerordentlich bewährt und wird auch der zukünftige Weg des DBV sein. Diesen Schwerpunkten waren natürlich noch weitere Inhalte des neuen Verbandes beigeordnet:

Beispielsweise die Regelung des Sektors Sport. Hier sollte ganz besonders das System der Haus-Ligen hervorgehoben werden. Das Turnierwesen musste ganz und gar auf den so genannten Freizeit- und Hobby-Bowler mit „Fun-Events“ zugeschnitten sein.

Was das Reglement anbelangte, wurden möglichst freizügige Richtlinien geschaffen, denn „Spiel“ und „Spaß“ sollten Vorrang vor allem anderen haben. Dass natürlich bestimmte Regularien einzuhalten waren und sind liegt auf der Hand. Jedoch, das in den frühen 90er Jahren erstellte Regelwerk hat sich bewährt und ist auch heute noch – mit einigen wenigen Ergänzungen – die Sportbibel des DBV.

Zu guter Letzt, in den Schwerpunktkatalog des Verbandes wurde eingearbeitet, dass die Partnerschaft zu Bowlinganlagen ganz vordergründig zu sein hat. Hier machte der DBV klar, dass er gegenüber den Centren des Zehnkegelspiels als ein Dienstleister auftreten wolle, denn die Überlegung war die, „dass es dem Verband und seinen Mitgliedern nur dann gut gehen könne, wenn es auch dem Partner, der Bowlinganlage „gut gehe“. Diesem Grundsatz ist der DBV bis heute treu geblieben.

Mit diesen Schwerpunkten des neu ins Leben zu rufenden Verbandes lud dann der „Bayerische Bowling Verband“ im Spätjahr 1989 ins schöne Mainz am Rhein ein, um dort den neu zugründenden Verband aus der Taufe zu heben. Die „noch“ Geschäftsführung des Bayerischen Bowling Verbandes hatte viele aus der Hautevolee des bundesdeutschen Bowling nach Mainz am schönen Rhein eingeladen, um dort Inhalte, Leistungen und Ziele des neu zu gründenden Verbandes vorzustellen.

Natürlich war mit vielen maßgebenden Persönlichkeiten bereits im Vorfeld über diesen neuen Verband gesprochen und diskutiert worden. So erinnert sich der Chronist an ein Treffen mit einem der herausragendsten Bowlingfunktionäre der damaligen Zeit, Gerth Bettinger, seines Zeichens nicht nur sehr beliebter, sondern auch sehr erfolgreicher oberster Sportherr der Leistungssportler im Zehnkegelspiel.

Bettinger war nicht wenig angetan von den Vorstellungen des neuen Verbandes, meinte jedoch, dass die Zielrichtungen zur totalen Verselbständigung des Bowlingsports ziemlich visionär seien und vorerst mit fest zementierten Grundsatzregeln des deutschen Sports nur schwerlich zu vollziehen sind. Das Streben nach dieser Verselbständigung sei legitim und sollte auch verfolgt werden, aber eine Realisierung sei wohl nur mit großen Schmerzen verbunden. So nebenbei meinte Bettinger auch, dass man beim neuen Verband sehr schnell gehandelt habe, um den neuen Verbandesnamen schon im Vorfeld als geschützt eintragen zu lassen. Hatte er, Bettinger, doch im Sinn, diesen für den bundesdeutschen Leistungssport, sprich Sektion Bowling, anzuwenden. Sofern die Informationen der damaligen Zeit der Richtigkeit entsprechen, war es auch Gerth Bettinger, der unter vielen Vorschlägen, von „Deutscher Bowling Kongress“ bis hin zu „Bund Deutscher Bowler“ auch die Bezeichnung „Deutsche Bowling Union“ ins Gespräch brachte.

Der DBV heute

Doch zurück nach Mainz zur Gründungsversammlung. Sehr interessant, wer doch alles der Einladung an den Rhein gefolgt war. Die nachfolgenden Namen und Positionen verdeutlichen besonders stark, wie hoch das Interesse an einer Veränderung des organisierten Bowling in Deutschland zu jener Zeit gewesen ist. Hier stellt sich allerdings die Frage, ob dieses Interesse nur 1989 so groß war.

Nach der bereits erwähnten Vorstellung der Inhalte und Ziele des Verbandes, wurde dann der heutige DBV durch Hans Güth (Heidelberg), Gert Gröpler (Ingolstadt), Wolfang Henneberger (Augsburg), Manfred Kaufmann (München), Franz Oswald (Nürnberg), Klaus Rist (Augsburg) und Klaus Schneider (Karlsruhe) gegründet. Der badische Landesvorsitzende Edgar Ullrich, als Vorsitzender des Wahlausschusses, gab dann den ersten von den Anwesenden – mit drei Stimmenthaltungen – gewählten Gesamtvorstand bekannt:

  1. Vorsitzender der Wolfsburger Horst Dannenberg,
  2. Vorsitzender Klaus Schneider, Karlsruhe,

Geschäftsführer Klaus Rist, Augsburg. Mitglieder des Gesamtvorstandes Franz Oswald Nürnberg und Hans Güth Heidelberg.

Eine großartige Unterstützung erfuhr der neue Verband durch viele Anlagenbetreiber, die mit finanziellen Spendenzuwendungen dem noch fast mittellosen DBV über die ersten schwierigen Monate hinweghalfen. Jedoch, der enorm große Zuspruch an Personen, die Mitglied dieses Verbandes werden wollten und wurden, stellten den DBV sehr schnell auf eine solidere Finanzbasis. Hier sei heute noch besonders den Betreibern aus Elmshorn (Herr Holstenberg), aus Heidelberg (Herr Güth) und aus Kaiserslautern (der leider viel zu früh verstorbene Kurt Heerdegen) gedankt. Allein aus diesen drei Centren wurden über vierhundert Personen quasi im Handumdrehen dem Verband als Mitglieder zugeführt.

Sehr schnell erfuhr nun der DBV – aus welchen Gründen auch immer – eine neue Vorstandschaft:

Franz X. Oswald wurde bereits 1990 für den ausgeschiedenen Horst Dannenberg zum ersten Vorsitzenden gewählt. Kurz darauf musste Klaus Schneider aufgrund schwieriger Krankheitsgründen sein Amt niederlegen. Ihm folgte der Kaiserslauterer Hans-Jürgen Schmidt als „Vize“.

Es sei hier nicht unerwähnt, dass beide – Oswald und Schmidt – die Kontinuität des Deutschen Bowling Verbandes mehr als deutlich hervorheben: Es gibt keine zweite Bowlingorganisation, wo beide Vorsitzende zwanzig Jahre in dieser Position sind. Geschäftsführung lag weiterhin in den Händen des Fuggerstädter Klaus N. Rist. Neu hinzu gewählt wurde im Jahre 2000 der Leipziger Marko Hensel als dritter Vorsitzender mit Zuständig-keitsbereich - neue Bundesländer. Und gerade diese neuen Bundesländer nahmen hinsichtlich des Bowling auch dank des DBV einen großartigen Aufschwung. In erster Linie ist dies einerseits dem Engagement verschiedener Anlagenbetreiber zu verdanken, die im DBV und seinen Angeboten eine echte Unterstützung erkannt haben, anderseits sei auch gedankt dem Einsatz der vielen DBV-Kollegen als Ligaobleute in den Bowlingcentren Chemnitz, Cottbus, Dresden, Eisenhüt-tenstadt, Halberstadt, Magdeburg, um nur einige zu nennen.

Stetigkeit in der so genannten Chefetage, Stetigkeit aber auch in der Verbandspolitik, für alle Schichten der Bowlingspieler mit absolut machbaren finanziellen Angeboten, Sponsorenzuwendungen und äußerst interes-sante Wettbewerbe sind die Pflastersteine, die den langen Weg des Verbandes zu einem erfolgreichen gemacht haben.

Ein Danke an alle Unterstützer

Bettinger, Gerth - DKB Sektion Bowling
Bleyler, Ludwig – KV München Bowling
Dannenberg, Horst - DKB Sektion Bowling
Deppermann, Andreas – Betreiber Bremen
Fitz, Manfred – Betreiber Augsburg
Föckler, Henry – Landesfachverband Rheinland-Pfalz
Gröpler, Gert – Bowlingverein Ingolstadt
Güth, Hans – Betreiber Heidelberg
Hartmann, Rüdiger – Bowling Magazin
Heerdegen, Kurt – Betreiber Kaiserslautern
Hellweg, Klaus – Firma AMF Mainz
Henneberger, Wolfgang – NCR Augsburg
Heß, Gerhard – Betreiber Mannheim
Holstenberg, Eckart – Betreiber Elmshorn
Janka, Ferdinand – Bundesverband Bowling e.V.
Kaufmann, Manfred - KV München Bowling
Lang, Jo – Betreiber Köln
Lucius, Wolfgang – Firma Brunswick Eschborn
Mittmann, Manfred – Betreiber Berlin
Morell, Wolfgang – Firma Brunswick Hamburg
Motzer, Hendrik – FBV und Betreiber Reutlingen
Oswald, Franz – BBV Nürnberg
Rist, Klaus – BBV Augsburg
Schmidt, Hans-Jürgen - BV Kaiserslautern
Schneider, Klaus – FBV Karlsruhe
Schneider, Rudolf – Betreiber München
Stübs, Horst – Betreiber Kiel
Stolnat, Werner – Presse Mainz/Rheinland-Pfalz
Tronnier, Uwe – Betriebssportverband Berlin
Ullrich, Edgar – Landesfachverband Baden
Wilbertz, Elmar – Sektion Bowling DKB
Winter, Marianne – Betreiber Nürnberg
Woite, Martin – ManagerIsar München
Wolz, Werner – Golden Ball Tour Würzburg

 

Sowie viele Begleitpersonen und Bowlingspieler.